1.Vorsitzender Franz Fuchs 73491 Neuler Leinenfirst 24 07963 751
2.Vorsitzender Franz Erhardt 73479 Ellw.-Killingen St.Martinus Str. 22 07965 2551
Mitglied im Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg

 

 

 

Milchschafe

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Was ist Herdbuchzucht ?


Ein altbewährter Satz in der Tierzucht hat bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren. Züchten heißt Auslesen! Mit dieser wichtigen Erkenntnis hat auch der Schafzüchter zu arbeiten. Was wollen wir in der Herdbuchzucht von einem Nutztier ?

Leistung ! In unserem Falle Milch, Fleisch und Wolle!

Die Leistung wird wiederum bestimmt durch Einflüsse von Umwelt und Erbgut. Erbgut kann die Leistung positiv und negativ beeinflussen. Schlechte Einflüsse von Umwelt, also Haltung und Fütterung, bringen das beste Erbgut nicht voll zur Geltung.

In der Reinzucht sind die besten Nutztiere, die besten Zuchttiere. Sie zeigen Elternnachkommen - Ähnlichkeit in Typ und Leistung, also Leistungstypen. Anforderungen an die Leistungsmerkmale sind hohe Erblichkeit, wirtschaftliche Bedeutung und objektive Erfaßbarkeit, das heißt Leistungsprüfungen.

Bei uns in der Milchschafzucht heißt das “ Milchleistungsprüfung “ auf Fett- und Eiweißmenge, also auf Inhaltstoffe! Bei der Wiegung, Tageszunahmen! Bei der Zuchtleistung der Mutter, die Zahl der Lämmer! Der Selektionserfolg ist abhängig von den Ahnenleistungen, also Vater - Mutter - Großeltern ! Von der Eigenleistung, Geschwisterleistung und Nachkommenleistung!

Die Zuchtleistung oder anders ausgedrückt, die Fruchtbarkeit, bestimmt die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung nachhaltig. Ohne fruchtbare Eltern keine Lämmer, ohne gute Säugeleistung der Mutter ungenügend entwickelte Lämmer. Deshalb erstreckt sich die Zuchtleistungsprüfung nicht nur auf auf die Feststellung der Anzahl der geborenen, sondern auch auf die Anzahl der bis zum Alter von 42 Tagen aufgezogenen Lämmer. Geburtstermin, Geburtstyp ( Einling - Mehrling ), sowie das Geschlecht sind vom Züchter mit der Angabe der Herdbuchnummern der Elternteile im Stallbuch zu vermerken. Diese Ergebnisse werden bei der endgültigen Kennzeichnung der Lämmer von Beauftragten übernommen und an den Zuchtverband weiter geleitet.

 

Die korrekte und saubere Führung des Stallbuches ist eine der wichtigsten Aufgaben des Züchters. Er ist voll verantwortlich für diese Aufzeichnungen, welche die züchterische Grundlage, die Abstammungssicherung der Zuchttiere darstellen. Bei uns in der Milchschafzucht werden die männlichen und weiblichen Zuchttiere im Alter von 6 - 8 Monaten in das Zuchtbuch aufgenommen.

 

Ein von der Zuchtleitung Beauftragter bewertet bei den weiblichen Tieren nicht nur die äußere Erscheinung, also Rahmen und Form, sondern auch die Bemuskelung, sowie die Wollqualität. Nur solche Tiere die dem Zuchtziel voll entsprechen, gut entwickelt sind und keine wesentliche Form- und Wollfehler aufweisen, werden in das Zuchtbuch aufgenommen. Hierbei erhalten sie eine Herdbuchnummer, die in das rechte Ohr, und die Mutternummer mit Jahrgangsnummer, die in das linke Ohr eintätowiert und im Zuchtbuch eingetragen wird.

Hier wird die Entscheidung ja oder nein getroffen.

Qualität bei der Auswahl der weiblichen Tiere für die Weiterzucht sollte großes Gewicht beigemessen werden.

 

Bei den männlichen Tieren fällt das Urteil bei der Körung. Eine staatliche Körkommision prüft alle vorgestelten Jungböcke auf “ Herz und Nieren “, wobei die Ergebnisse der Leistungsprüfungen der Eltern, sowie die äußere Erscheinung des Bockes entscheidend für das Körurteil sind.

 

Das Ergebnis der Zuchtbuchaufnahme dient auch gleichzeitig als Nachkommenbewertung einer Bocknachzucht. Hier zeigt sich welche Eigenschaften ein Bock, nicht, schwach oder stark vererbt hat. Die Nachkommenbewertung bestimmt daher sehr stark den weiteren Einsatz des Zuchtbockes in der Herde. Da der Bock den halben Erfolg in der Zuchtarbeit einer Herde darstellt, kann ein schlechter Vererber zu herben Rückschlägen in der Zuchtarbeit führen.

 

Die drei “ F “ zeugen beim Milchschaf für Frühreife, Fruchtbarkeit und Frohwüchsigkeit.

Durch die Frühreife mit ca 6 Monaten ist diese Schafrasse zuchtfähig und mit etwa einem Jahr Mutter von 1, 2 oder 3 Lämmern und dann Milchlieferant.

Bei der Milchleistung der Milchschafe wird eine Durchschnittsleistung im Jahr bei 260 Melktagen von 600 Kg Milch bei 6% Fett - 36 Kg Fett und 5,5% Eiweiß - 33,0 Kg Eiweiß.

Dazu kommt die sehr gute Fleischleistung, denn die Lämmer wiegen mit 8 Wochen ca 25 Kg und mit 6 Monaten ca 60 Kg, bei Tageszunahmen der Bocklämmer von 300 - 400 g, der Mutterlämmer von 250 - 300 g.

Altböcke wiegen 100 - 140 Kg, Schafe 80 - 100 Kg.

Aus diesem Grund werden Milchschafe gerne in andere Rassen eingekreuzt, wobei die Jungtiere sehr frohwüchsig bei sehr guten Schlachtkörpern sind.

Bei entsprechenden Schafrassen verbessert das Milchschaf in der Anpaarung die Fruchtbarkeit, die gute Milchleistung, die Frohwüchsigkeit mit entsprechender Tageszunahme und den Rahmen bei sehr guten Schlachtkörpen. Dazu eignen sich sowohl Merinoschafe, Schwarzköpfe und Texelschafe. Das moderne Leineschaf führt Milchschafblut, auch sehr stark im Typ erkennbar. Die Geburten sind, gegeben durch den schlanken Kopf des Milchschafes,  allgemein leichter,

Fortschritt erzielt man nur mit guten durchzüchteten Linien. Dazu kommt der Gesundheitsstatus.

 Alle Herdbuchtiere und deren Nachzuchten werden jährlich vom Schafgesundheitsdienst überwacht. Sie werden auf Maedi - Visna = Atemwegserkrankung und Brucellose = Verlammungen, untersucht und bei positivem Befund von der Zucht ausgeschlossen.

Zusätzlich zu diesen Untersuchungen erfolgen nun Blutuntersuchungen auf Scrapie-Resistenz, also auf den Genotyp “ ARR “ .

Das Zuchtziel ist “ ARR - ARR “ . Dem Erreichen dieses Zieles kommt die allergrößte Bedeutung zu. Dies bedeutet die Züchtung von Schafen auf Resistenz gegen 'Transmissible Spongiforme Enzephalopathie',  TSE genannt. (Übersetzt heißt das etwa: übertragbare, schwammartige, krankhafte Gehirnveränderung.) 

 

Herdbuchtiere, vor allem die Böcke, stellen für den Gebrauchszüchter einen züchterischen Fortschritt und damit einen Verbesserung der Rentabilität dar. Ein höherer Preis für einen guten Zuchtbock ist daher angemessen und voll gerechtfertigt.

 

Das alte Schäfersprichwort “ der Bock ist die halbe Herde “ hat heute nicht mehr die Gültigkeit, denn durch die Scrapie - Resistenzzucht müssen wir umdenken, da ein “ Doppel ARR Bock “ ( ARR-ARR) die ganze Herde positiv beeinflußt und wir unter diesen Umständen sagen müßten :

“ Der Bock ist die ganze Herde ! “

Das ist Herdbuchzucht !