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Milchschafe
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Was ist Herdbuchzucht ?
Ein altbewährter Satz in der Tierzucht hat bis heute nichts von seiner
Gültigkeit verloren. Züchten heißt Auslesen! Mit dieser wichtigen
Erkenntnis hat auch der Schafzüchter zu arbeiten. Was wollen wir in der
Herdbuchzucht von einem Nutztier ?
Leistung ! In unserem Falle Milch, Fleisch und Wolle!
Die Leistung wird wiederum bestimmt durch Einflüsse von Umwelt und Erbgut.
Erbgut kann die Leistung positiv und negativ beeinflussen. Schlechte
Einflüsse von Umwelt, also Haltung und Fütterung, bringen das beste Erbgut
nicht voll zur Geltung.
In der Reinzucht sind die besten Nutztiere, die besten Zuchttiere. Sie
zeigen Elternnachkommen - Ähnlichkeit in Typ und Leistung, also
Leistungstypen. Anforderungen an die Leistungsmerkmale sind hohe
Erblichkeit, wirtschaftliche Bedeutung und objektive Erfaßbarkeit, das
heißt Leistungsprüfungen.
Bei uns in der Milchschafzucht heißt das “ Milchleistungsprüfung “ auf
Fett- und Eiweißmenge, also auf Inhaltstoffe! Bei der Wiegung,
Tageszunahmen! Bei der Zuchtleistung der Mutter, die Zahl der Lämmer! Der
Selektionserfolg ist abhängig von den Ahnenleistungen, also Vater - Mutter
- Großeltern ! Von der Eigenleistung, Geschwisterleistung und
Nachkommenleistung!
Die Zuchtleistung oder anders ausgedrückt, die Fruchtbarkeit, bestimmt die
Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung nachhaltig. Ohne fruchtbare Eltern
keine Lämmer, ohne gute Säugeleistung der Mutter ungenügend entwickelte
Lämmer. Deshalb erstreckt sich die Zuchtleistungsprüfung nicht nur auf auf
die Feststellung der Anzahl der geborenen, sondern auch auf die Anzahl der
bis zum Alter von 42 Tagen aufgezogenen Lämmer. Geburtstermin, Geburtstyp
( Einling - Mehrling ), sowie das Geschlecht sind vom Züchter mit der
Angabe der Herdbuchnummern der Elternteile im Stallbuch zu vermerken.
Diese Ergebnisse werden bei der endgültigen Kennzeichnung der Lämmer von
Beauftragten übernommen und an den Zuchtverband weiter geleitet.
Die korrekte und saubere Führung des Stallbuches ist eine der wichtigsten
Aufgaben des Züchters. Er ist voll verantwortlich für diese
Aufzeichnungen, welche die züchterische Grundlage, die
Abstammungssicherung der Zuchttiere darstellen. Bei uns in der
Milchschafzucht werden die männlichen und weiblichen Zuchttiere im Alter
von 6 - 8 Monaten in das Zuchtbuch aufgenommen.
Ein von der Zuchtleitung Beauftragter bewertet bei den weiblichen Tieren
nicht nur die äußere Erscheinung, also Rahmen und Form, sondern auch die
Bemuskelung, sowie die Wollqualität. Nur solche Tiere die dem Zuchtziel
voll entsprechen, gut entwickelt sind und keine wesentliche Form- und
Wollfehler aufweisen, werden in das Zuchtbuch aufgenommen. Hierbei
erhalten sie eine Herdbuchnummer, die in das rechte Ohr, und die
Mutternummer mit Jahrgangsnummer, die in das linke Ohr eintätowiert und im
Zuchtbuch eingetragen wird.
Hier wird die Entscheidung ja oder nein getroffen.
Qualität bei der Auswahl der weiblichen Tiere für die Weiterzucht sollte
großes Gewicht beigemessen werden.
Bei den männlichen Tieren fällt das Urteil bei der Körung. Eine staatliche
Körkommision prüft alle vorgestelten Jungböcke auf “ Herz und Nieren “,
wobei die Ergebnisse der Leistungsprüfungen der Eltern, sowie die äußere
Erscheinung des Bockes entscheidend für das Körurteil sind.
Das Ergebnis der Zuchtbuchaufnahme dient auch gleichzeitig als
Nachkommenbewertung einer Bocknachzucht. Hier zeigt sich welche
Eigenschaften ein Bock, nicht, schwach oder stark vererbt hat. Die
Nachkommenbewertung bestimmt daher sehr stark den weiteren Einsatz des
Zuchtbockes in der Herde. Da der Bock den halben Erfolg in der Zuchtarbeit
einer Herde darstellt, kann ein schlechter Vererber zu herben Rückschlägen
in der Zuchtarbeit führen.
Die drei “ F “ zeugen beim Milchschaf für Frühreife, Fruchtbarkeit und
Frohwüchsigkeit.
Durch die Frühreife mit ca 6 Monaten ist diese Schafrasse zuchtfähig und
mit etwa einem Jahr Mutter von 1, 2 oder 3 Lämmern und dann
Milchlieferant.
Bei der Milchleistung der Milchschafe wird eine Durchschnittsleistung im
Jahr bei 260 Melktagen von 600 Kg Milch bei 6% Fett - 36 Kg Fett und 5,5%
Eiweiß - 33,0 Kg Eiweiß.
Dazu kommt die sehr gute Fleischleistung, denn die Lämmer wiegen mit 8
Wochen ca 25 Kg und mit 6 Monaten ca 60 Kg, bei Tageszunahmen der
Bocklämmer von 300 - 400 g, der Mutterlämmer von 250 - 300 g.
Altböcke wiegen 100 - 140 Kg, Schafe 80 - 100 Kg.
Aus diesem Grund werden Milchschafe gerne in andere Rassen eingekreuzt,
wobei die Jungtiere sehr frohwüchsig bei sehr guten Schlachtkörpern sind.
Bei entsprechenden Schafrassen verbessert das Milchschaf in der Anpaarung
die Fruchtbarkeit, die gute Milchleistung, die Frohwüchsigkeit mit
entsprechender Tageszunahme und den Rahmen bei sehr guten Schlachtkörpen.
Dazu eignen sich sowohl Merinoschafe, Schwarzköpfe und Texelschafe. Das
moderne Leineschaf führt Milchschafblut, auch sehr stark im Typ erkennbar.
Die Geburten sind, gegeben durch den schlanken Kopf des Milchschafes,
allgemein leichter,
Fortschritt erzielt man nur mit guten durchzüchteten Linien. Dazu kommt
der Gesundheitsstatus.
Alle Herdbuchtiere und deren Nachzuchten werden jährlich vom
Schafgesundheitsdienst überwacht. Sie werden auf Maedi - Visna =
Atemwegserkrankung und Brucellose = Verlammungen, untersucht und bei
positivem Befund von der Zucht ausgeschlossen.
Zusätzlich zu diesen Untersuchungen erfolgen nun Blutuntersuchungen auf
Scrapie-Resistenz, also auf den Genotyp “ ARR “ .
Das Zuchtziel ist “ ARR - ARR “ . Dem Erreichen dieses Zieles kommt die
allergrößte Bedeutung zu. Dies bedeutet die Züchtung von Schafen auf
Resistenz gegen 'Transmissible Spongiforme Enzephalopathie', TSE
genannt. (Übersetzt heißt das etwa: übertragbare, schwammartige,
krankhafte Gehirnveränderung.)
Herdbuchtiere, vor allem die Böcke, stellen für den Gebrauchszüchter einen
züchterischen Fortschritt und damit einen Verbesserung der Rentabilität
dar. Ein höherer Preis für einen guten Zuchtbock ist daher angemessen und
voll gerechtfertigt.
Das alte Schäfersprichwort “ der Bock ist die halbe Herde “ hat heute
nicht mehr die Gültigkeit, denn durch die Scrapie - Resistenzzucht müssen
wir umdenken, da ein “ Doppel ARR Bock “ ( ARR-ARR) die ganze Herde
positiv beeinflußt und wir unter diesen Umständen sagen müßten :
“ Der Bock ist die ganze Herde ! “
Das ist Herdbuchzucht !
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